Zu meinen Arbeiten
Die Gemälde, Zeichnungen, Keramiken und Fotos haben alle, so unterschiedlich sie auf den ersten Blick erscheinen mögen, etwas Gemeinsames: die wesentlichen Elemente sind
 
das Runde,
die Farbe und
die Struktur.
 
Das Dasein ist rund – diese Wahrheit ohne Beweis wird in den Kunstwerken behandelt. Im Runden liegt das Geborgene, das Keimende – und im Arbeiten wird das Runde nicht betrachtet, sondern erlebt.
 
Der Zentralisierung des von allen Seiten behüteten Lebens, das in einer lebendigen Kugel eingeschlossen ist, spürt man in immer neuen Varianten der keramischen Findlingskronen nach. Ich sehe sie im Garten an verborgenen Stellen leuchten. Sie wollen entdeckt werden:
 
Wovon geben sie Zeugnis?
Was bewahren sie?
Wie entwickeln sie sich?
 
Diese Artefakte sind das Ergebnis des Forschens und Erschaffens, der Expeditionen ins Innere, in den Kern.
 
Die Farbe der Bilder ist kirmesbunt gezackt mit kleinen Spitzen. Sie kommt aus dem Dunkel und manchmal sticht sie, ein anderes mal schützt sie. Farben wachsen und spiegeln und schneiden so Formen in die Bilderwelt. Hinter deren Schleiern verborgen ahnen wir fliegendes Wissen, das eine sanfte Landung braucht und ein Bett zum Wachsen.
 
Die farbige Haut der Keramik findet blumengleich aus dem Feuer kommend, aus dem Schmelzen und Kristallisieren heraus eine Oase im Grünen – um dann dort vielleicht sogar wieder Teil der Natur zu werden?
 
Die Fotos geben einerseits Zeugnis ab von einigen Landeplätzen der Tonarbeiten. Andererseits dienen sie – ins Schwarzweiße transformiert – als Grund für Übermalungen und zeichnerische Interpretationen.
 
Der Rhythmus der Bilder wie der Keramiken ergibt sich aus dem Schaffen heraus.
 
Bei den Zeichnungen ahnen wir Schädel, uralte Muster oder erstarrte Waben, die bereit sind, Weiteres aufzunehmen. Wir sehen vielleicht Muschelblumen, Blumenmuscheln und weitere Zwitterwesen bis hin zu Monstern. Wir wandeln und schweben dazwischen und werden erwartet. Oft entsteht aus den Durchreibungen von Holz eine Basis und ein Halt. Dies engt nicht ein, sondern formt mit den parallelen Elementen das Leben im Bild.
 
Und immer wieder wachsen Spiralen aus dem Grund heraus um zu tanzen. Sie stehen für die Spiralnebel des Universums gleichermaßen wie für die Entwicklung und den Rückzug im menschlichen Leben. Sie sind gemalt, geritzt, gezeichnet und nicht zuletzt finden wir sie in der spiralförmig gelegten Tonrolle am Boden eines jeden aufgebauten Gefäßes!
 
Die Spuren des Arbeitsprozesses sind bei der Keramik besonders wichtig und deshalb fast überall sichtbar. Im Kontrast dazu stehen die geglätteten und glasierten Partien. Diese Dualität zwischen rauh und glatt, zwischen Zurückhaltung und farbigem Leuchten findet bei den Gefäßen immer ihren Abschluss in dem wie eine Krönung gedachten Rand.
 
Die Formen, die nicht getöpfert werden entstehen auf Papier und die Farben und Muster, die nicht gemalt werden finden ihren Ausdruck durch die Glasur. Die Bilder und Schalen sind dann kleine Kostbarkeiten des Alltags. Sie können zu Momenten des Innehaltens und Betrachtens werden und haben so ihre Berechtigung in sich. Es ist mir wichtig zu zeigen: es gibt immer mehrere Möglichkeiten
 
ein Bild zu malen,
eine Form zu schaffen,
ein Dasein zu leben!
 
Ursula Toenges-Goertz
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